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von Public Relations 07.06.2018

Zukunft gestalten – aber wie?

Gastbeitrag von André Lampe, Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikator

Was bedeutet Zukunft für uns? Eine schwierige und sehr individuelle Frage, schießlich hat jede*r einen ganz eigenen Blick auf die Welt und eigene Vorstellungen von den Dingen, die da kommen werden – und kommen sollten. Immer mal wieder stolpert man über Ideen, was wir jetzt tun sollten, um eine bessere Zukunft zu haben, oder Ideen, was passieren muss, das sich bald etwas ändert, oder sogar Ideen, die ein Bild zeichnen, wie es in ferner Zukunft mal sein könnte. Ich ertappe mich dann oft dabei, die Frage zu stellen “Ist das realistisch?” oder sogar “Wie kann das überhaupt klappen?”, und ich glaube, dass das vielen anderen auch so geht. Ab und zu fasziniert mich eine Idee, eine Vision für die Zukunft und die Frage danach,wie das überhaupt gehen soll, kommt nicht sofort und automatisch in meinen Kopf. Dann bin ich begeistert und träume ein wenig, bevor mein Sinn für Realität zuschlägt und ich still vor mich hindenke “Ach, wäre schön, wenn es so sein könnte.” Mein eingebauter Realitätssinn – ein gemeiner Typ – macht diese Träumerei zunichte. Aber das ist notwendig für das tägliche Leben, ich kann mich ja nicht die ganze Zeit mit Träumereien beschäftigen!

Nein, man kann sich nicht die ganze Zeit mit Träumereien beschäftigen – aber ab und zu kann man sich das doch mal gönnen, oder? Ich glaube sogar, dass es wahnsinnig wichtig ist, gelegentlich zu träumen, mit Ideen zu spielen oder Visionen von anderen zu folgen, ohne sofort die Frage zu stellen, wie das überhaupt möglich sein soll. Die Machbarkeit kann warten, ein halbes Stündchen, oder ein Wochenende. Was wir davon haben? Ich glaube, dass träumen, mit Ideen spielen und Visionen von anderen folgen einen Wert an sich besitzen. Ich sehe da Parallelen zum wissenschaftlichen Arbeiten. Im Labor habe ich ein Problem von vielen Seiten her angegangen und bin einige Male gescheitert, bis ich schließlich einen Weg gefunden hatte, das Problem zu lösen. Dies gelang mir aber nur, weil ich aus meinen vorangegangen Versuchen die Eigenschaften und Randbedingungen besser kennen gelernt hatte und schließlich abschätzen konnte, welcher Weg zur Lösung des Problems führt. Hätte ich gleich beim ersten Scheitern aufgegeben, wäre das halt einfach eine Sache die nicht geht.

Etwas das nicht geht – davon haben wir so Einiges in unser Welt und in unserem Leben. Und wir sind es gewohnt, mit diesem Urteil schnell bei der Hand zu sein. Mir passiert das ständig. Ich sage “Das geht jetzt nicht.”, “Wie hast du dir das vorgestellt?” oder “Wie soll das gehen?”, wenn ich eigentlich “Nein.”, “Keine Zeit/Lust!” oder “Nerv mich nicht.” meine. Ich versuche, diesen Automatismus abzustellen, offen für Träume und Visonen zu sein, um mal ein wenig in Gedanken damit zu spielen, um vielleicht eine eigene Idee daraus zu entwickeln. Eben nicht die Frage nach der Machbarkeit sofort zuschlagen zu lassen. Das ist aber nicht so einfach. Deswegen freue ich mich besonders, dass ich mit dem Futurium zusammen an einem Format basteln durfte, dass dieses Denken ein wenig begünstig: “Wunsch oder Wirklichkeit?”.

Der Untertitel von “Wunsch oder Wirklichkeit?”– “Der Zukunfts-Slam im Futurium” – macht schon deutlich wo das Format seine Ursprünge hat: beim Science Slam. Ein wichtiger Unterschied zum Science Slam ist allerdings, dass es nicht darum geht, eine*n Gewinner*in zu küren. Die Zuschauer*innen werden Wertungen in zwei Kategorien abgeben, nämlich in “Wie visionär?” eine vorgestellte Vision der Zukunft ist und “Wie machbar?”. Es gibt aber keinen Preis für den visionärsten Vortrag oder die machbarste Idee – es soll vielmehr eine direkte Rückmeldung des Publikums an die jeweiligen Vortragenden oder die Vortragende sein. Auf der Bühne werden Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und Hacker*innen ihre Visionen für die Zukunft vorstellen, und ich freue mich sehr darauf.

Die erste Ausgabe von “Wunsch oder Wirklichkeit?” wird es am Samstag, den 09.06.2018, um 21 Uhr im Futurium geben, im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften 2018. Nach Ende der Veranstaltung werden die Vortragenden das Futurium nicht gleich verlassen, unser Format ist so gedacht, dass es der Beginn eines Austausches und eines Dialoges ist. Vielleicht kommen wir dann der Frage “Was bedeutet Zukunft für uns?” einen kleinen Schritt näher und vielleicht fangen sogar einige Menschen an, gemeinsam ein wenig die Zukunft zu gestalten. Wir wollen Träumen und Visionen Raum geben mit diesem Format, die Machbarkeit im Hinterkopf, aber ohne, dass sie es unmöglich macht, auch mal visionär zu denken.

Ich werde am Samstag, den 09.06.2018, um 21 Uhr auf der Bühne im Futurium stehen – vielleicht sehe ich Sie im Publikum, ich würde mich sehr freuen!

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