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von Public Relations 16.02.2018

Kampf dem Plastikmüll

400 Millionen Tonnen Plastik werden jedes Jahr auf der Welt produziert. Davon wird ein Teil recycelt und wieder der Verwendung zugeführt, ein großer Teil jedoch wird zu Plastikmüll, der dort landet, wo er nicht hingehört. Zwischen 1,8 Prozent und 4,6 Prozent der weltweit produzierten Kunststoffe landen im Meer. Allein an der Meeresoberfläche treiben 5,25 Trillionen Plastik-Partikel mit einem Gewicht von 270.000 Tonnen. Doch auch im Boden auf dem Festland reichert sich Kunststoffabfall an. Laut einer Studie des Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) gibt es dort sogar 4 Mal bis 23 Mal so viel Plastikpartikel wie im Wasser.

Der Plastikmüll kann sich vor allem deshalb so weit verbreiten, weil er zerkleinert wird. Denn Kunststoff wird nicht abgebaut, er wird nur zerrieben. Wenn das passiert, spricht man von Mikroplastik – bei Teilchen die kleiner als 5 Millimeter sind – und sogar von Nanoplastik – bei Partikeln kleiner als 0,1 Mikrometer. Mikroplastik entsteht jedoch nicht nur aus größeren Kunststoffteilen, es ist zusätzlich noch Bestandteil von Kosmetik und Waschmitteln.

Groß oder klein – Plastikmüll richtet in allen Größen Schaden an

Mikroplastik ist besonders gefährlich, weil es von Tieren gefressen wird. Es sorgt dafür, dass sie bei vollem Bauch verhungern. 94 Prozent der an den Nordseestränden tot aufgefundenen Eissturmvögel haben Kunststoff im Magen. Die Auswirkungen von Nanopartikeln sind noch nicht abschließend erforscht. Laut einem Experiment des Umweltbundesamtes können sich Plastikpartikel in Zellen anreichern und die Kommunikation zwischen den Zellen stören. Und laut der Leibniz-Studie können Teilchen von Nanogröße in menschliche Zellen eindringen, Krankheitserreger übertragen und Entzündungen auslösen.

Doch Plastik muss nicht klein sein, um Schaden anzurichten. Schildkröten halten im Wasser treibende Plastiktüten für Quallen und versuchen diese zu fressen. Plastik sammelt sich außerdem zu ausgedehnten Müllteppichen: Der größte von ihnen wird als Great Pacific Garbage Patch bezeichnet, schwimmt im Nordpazifik und hat eine Ausdehnung von 3.499.074 Quadratkilometer. Die EU hat eine Fläche von 4.381.324 Quadratkilometer.

China zwingt den Westen zum Handeln

Die EU hat nun noch einmal weitreichende Maßnahmen angekündigt, mit denen sie gegen den Plastikmüll und seine schädlichen Auswirkungen vorgehen will. Dass der Maßnahmenkatalog ausgerechnet jetzt kommt, hat vor allem etwas damit zu tun, dass China Ende 2017 angekündigt hat, kaum noch Müll aus westlichen Ländern anzunehmen. 85 Prozent unseres Mülls wurden bisher dort abgeladen. Damit ist nun Schluss.

Um mit dem Kunststoffmüll fertig zu werden, gibt es zwei Ansätze: ihn wiederverwerten oder ihn zu reduzieren. Das bedeutet insbesondere auf solche Plastikprodukte zu verzichten, die nach einmaligem Gebrauch weggeworfen werden. „Vierzig Prozent des in Europa jährlich produzierten Plastik, ungefähr 20 Millionen Tonnen, wird allein für Verpackungen genutzt“, sagt Holger Bär, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Futurium, und bezieht sich auf Zahlen von PlasticsEurope. „Folglich liegen hier große Potenziale, unseren Plastikkonsum zu reduzieren, bzw. Kunststoffverpackungen so zu gestalten, dass die Rohstoffe darin recycelt und wiederverwendet werden können.“

EU-Maßnahmen zur stärkeren Verwertbarkeit von Plastik

Die EU hat das Ziel formuliert, bis 2030 alle Plastikverpackungen wiederverwendbar oder recyclebar zu machen. Derzeit wird EU-weit nur ein Drittel der Plastikabfälle wiederverwertet. Entsprechend will die EU die Entwicklung recyclingfähigerer Stoffe sowie besserer Recycling- und Müllentsorgungsverfahren fördern. Auch soll es bald ein Logo für biologisch abbaubare und kompostierbare Kunststoffe geben. Hafenanlagen werden neue Vorschriften bekommen, die dafür sorgen sollen, dass auch von hier weniger Müll in die Ozeane gelangt. Die Richtlinie dafür wird Parlament und Rat demnächst zur Entscheidung vorgelegt.

Diese Maßnahmen schließen sich an das Plastiktütenverbot von 2016 an und sind Teil der Strategie der EU, die Kreislaufwirtschaft zu fördern. 200 Plastiktüten pro Jahr verbrauchte im Schnitt jeder EU-Bürger vor Einführung der Einschränkung. Deutschland lag weit unter dem Durchschnitt mit 70 Tüten. Doch auch das ist noch zu viel. Auf 40 Plastiktüten pro Kopf will die EU den Verbrauch senken – bis 2025.

Doch nicht nur das größere Ziel der Kreislaufwirtschaft verbindet sich mit der Plastikstrategie. Weniger Nachfrage nach Plastik ist auch nötig, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. „Praktisch alle produzierten Kunststoffe basieren auf Chemikalien, die aus fossilen Brennstoffen gewonnen werden“, erläutert Bär. „Je länger wir an erdölbasierten Kunststoffen festhalten, desto mehr bestärken wir damit den Klimawandel. Aktuelle Trends besagen, dass wir 2050 ein Fünftel unseres globalen Ölverbrauchs brauchen würden – nur um neue Kunststoffe herzustellen“, so Bär weiter unter Bezug auf das Center for International Environmental Law.

Verpackungsloser Verkauf bekommt Aufwind

Abgesehen von den großangelegten Maßnahmen der EU, von denen derzeit viele noch nicht konkretisiert sind und vor allem Absichtserklärungen darstellen, haben Bürger*innen und Unternehmen bereits im Kleinen begonnen, etwas gegen die Plastikflut zu tun.

In Großbritannien erleben verpackungslose Tante-Emma-Läden einen Boom und auch eine kleinere Supermarktkette hat angekündigt, zumindest ihre Eigenmarken nicht mehr in Plastik zu wickeln, sondern in Papier- und Holzverpackungen anzubieten. Was nicht bedeutet, dass nicht weiterhin in Plastik gepackte Fremdprodukte verkauft werden. Auch in Deutschland ist ein ähnlicher Trend zu beobachten. Neben einzelnen Läden gehen auch hier Ketten ins Rennen: In Berlin hat zum Beispiel die Bio-Company ihre 50. Filiale komplett plastiktütenfrei eröffnet.

 

Bilder: dronepicr (Plastikmüll im Meer) [CC BY 2.0 (http-_creativecommons.org_licenses_by_2.0)], via Wikimedia Commons, Umweltbundesamt

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